Unterföhring, Juli 2001
Unser Nachbar Christian fragte mich eines Tages, ob ich nicht Lust hätte bei der EM.TV als IT-Leiter anzufangen. Ich war mit meinem Job im debis-Systemhaus durch aus zufrieden, diese Gelegenheit wollte ich mir nicht entgehen lassen. Ich kündigte meinen Job im debis-Systemhaus und wechselte zur EM.TV & Merchandising AG in Unterföhring. Dort war die Zentrale. Das Unternehmen hatte ca. 120 Mitarbeiter in der Zentrale und war zum damaligen Zeitpunkt schwer reich. Gefühlt waren all meine Arbeitskollegen Millionäre, nur ich nicht, da ich erst später dazu gekommen bin. Ich kann mich noch gut an die letzte Aktionärsversammlung erinnern. Ich war mit an den Vorbereitungen beteiligt. Wir wollten die Versammlung per Satellit (darum der kleine Smart vor dem Gebäude der EM.TV) übertragen lassen. Ich hatte das dann aber nicht mit der Firma gemacht. Der Smart war einfach nicht der richtige Auftritt für die Firma. Da musste etwas größeres her. Die Aktionärsversammlung war schon sehr beeindruckend. Die Aktie war schon ins taumeln gekommen. Eine alte Damen ließ sich auf der Versammlung das Rederecht geben. Sie trat an Mikrofon und schrie verzweifelt in die Menge: „Hängt sie auf! Hängt sie auf!“. Hiermit waren die beiden Haffa Brüder gemeint, die schon selber nicht mehr auf der Bühne (Thomas war gerade zurück getreten) standen, sondern dass ganze aus einem Nebenraum verfolgten. Es ging dann mit der Firma immer weiter bergab. In kurzer Entfernung zu unserem Firmengebäude gab es eine Kantine, in die wir oft zum Mittagessen gingen. Meistens ging ich dort mit Thomas hin. Er war eine Arbeitskollege von mir (er kam aus der Medienbranche und kann sich gut mit der Technik aus, aber nicht mit den Möglichkeiten in der IT). Es war schon ein trauriges Bild, wenn andere Arbeitskollegen sich dazu gesellten und es für die Kollegen nur noch ein Thema gab – „Gestern war ich noch Millionär, heute bin ich pleite!“. Das war schon echt heavy. Die Presse hatte sich natürlich auch auf die Lauer gelegt. Oft ist man nicht auf der Tiefgarage des Hauses gekommen und sah Kameras auf einen gerichtet. Echt verrückte Zeit
Gearbeitet habe ich bei der EM.TV & Merchandising vom 08/2000 bis 08/2001. Nach dem Tod von Birgit im Februar 2001, habe ich Janine kennengelernt. Ich habe meinen Job in München dann aufgegeben und bin mit den Kindern nach Kirchhorst gezogen.
Zitat: Höhenflug und tiefer Fall – die EM.TV-Aktie (em-ag.de)
Höhenflug und tiefer Fall – die EM.TV-Aktie
Es war der spektakulärste Börsenaufstieg seit Jahren. Thomas und Florian Haffa waren die Könige des Neuen Marktes. Ihre Medienfirma EM.TV sollte größer werden als der Disneykonzern. Eine Zeit lang schien dies Realität zu werden, zeitweise war die EM.TV-Aktie viermal so viel wert wie die Adidas-Aktie. Zwischenzeitlich konnte man mit der Aktie sogar unglaubliche 16.600 Prozent Plus machen.
Thomas Haffa, ehemaliger Schulabbrecher und frühere Schreibmaschinen-Verkäufer, hatte es bis nach ganz oben geschafft. Exklusive Partys, Luxus-Jachten und Milliarden, die es auf zahlreichen Einkaufstouren durch die Medienlandschaft zu verprassen galt. Thomas Haffa hält den Hype lange Zeit am Leben mit regelmäßigen Jubelmeldungen. EM.TV spielte nun in der Weltliga der Medienunternehmen.
Der Erfolg hielt nur für kurze Zeit, denn die Misswirtschaft, der Größenwahn und zahlreiche Fehlentscheidungen ließen den schönen Traum alsbald zerplatzen. EM.TV kaufte meist Sendungen zu überteuerten Einkaufspreisen – auf Pump versteht sich. Die Abschreibungen waren gigantisch, die Zahlen geschönt. Die Sesamstraße und die Muppet Show hatten ihre beste Zeit schon hinter sich, als Haffas kauften. Mit der Formel 1 hatte man sich regelrecht übernommen. Der Traum war ausgeträumt, denn lange Zeit hatten die Haffa-Brüder ihren Anlegern nur heiße Luft verkauft. Spätanleger sahen ihr Geld regelrecht zwischen den Fingern zerrinnen.
Die Haffas hatten sich zu der Zeit bereits zurückgezogen. Noch während der Haltefrist hatte Thomas Haffa die ersten Aktienpakete verkauft. Später nutzte er die Kursexplosion, um erneut abzusahnen. Die Staatsanwaltschaft klagte die Brüder wegen Kursbetrugs und Veröffentlichung falscher Zahlen an. Thomas Haffa wurde zu einer Geldstrafe von 1,2 Millionen Euro, Florian Haffa zu 240.000 Euro verurteilt. Tausende Kleinanleger zogen ebenfalls gegen die Haffas vor Gericht. Die meisten gingen leer aus.
Aufstieg und Fall des Thomas Haffa
1989 machte sich Thomas Haffa selbstständig und gründete zusammen mit seinem Bruder Florian und dem TV-Mogul Haim Saban die EM-Entertainment München, Merchandising, Film und Fernseh GmbH (EM.TV). Bekannte Vermarktungsobjekte sind z. B. Tabaluga, die Teenage Mutant Hero Turtles und die Rechte an der Expo 2000.
Der spektakuläre Aufstieg von EM.TV begann mit dem Börsengang am 30. Oktober 1997. Dem Ausgabekurs von 0,38 Euro folgte ein Rekordhoch nach dem anderen, was nicht zuletzt der Gründung von Junior TV Ende 1998 mit der Kirch-Gruppe zu verdanken war. Weitere spektakuläre Zukäufe, wie einen 50 %-Anteil an den Vermarktungsrechten der Formel 1 im Jahr 2000 und der Kauf der Muppets Show, machten EM.TV zu einem weltweit agierenden Medienunternehmen. So gehörten fortan die Rechte an beliebten Zeichentrickfiguren wie Biene Maja, Fred Feuerstein und Alfred J. Kwak EM.TV. Im März 2000 verzeichneten die Anteilsscheine von EM.TV mit 110 Euro ihren Höchststand.
Der Traum vom Ruhm zerplatzte im Herbst 2000 als Thomas Haffa und sein Bruder Florian, der als Finanzvorstand bei EM.TV arbeitete, die Gewinnerwartung des Unternehmens mehrfach nach unten korrigieren mussten. Der Aktienkurs brach ein und fiel unter 20 Euro.
Die Brüder Haffa hatten bereits vor Ankündigung der Negativnachrichten einen Großteil ihrer EM.TV-Aktien verkauft. Thomas Haffa verstieß sogar gegen die Haltefrist, als er im Februar 2000 auf dem Kurshöhepunkt Aktien verkaufte.
Thomas Haffa wurde wegen unrichtiger Darstellung der Unternehmensverhältnisse 2003 zu einer Geldstrafe von 1,2 Millionen Euro verurteilt, sein Bruder Florian zu 240.000 Euro. Beide Brüder mussten sich insgesamt hunderten Gerichtsverfahren stellen. Viele EM.TV-Aktionäre waren bei ihren Schadensersatzklagen jedoch nicht erfolgreich.
Zitat: Chronologie: EM.TV: Vom milliardenschweren Wert zum Penny Stock | STERN.de
Mit teuren Übernahmen und hochfliegenden Versprechungen haben die Haffa-Brüder die kleine Merchandising- und Rechtefirma EM.TV zum Riesenkonzern aufgebläht.
Mit viel zu teuren Übernahmen und hochfliegenden Versprechungen hatten Thomas und Florian Haffa aus der kleinen Merchandising- und Rechtefirma EM.TV einen Konzern gemacht, der in der Hochphase des Neuen Markts mehr als 16 Milliarden Euro wert war. Inzwischen ist die skandalgebeutelte Medienfirma zum «Penny Stock» geworden.
Juni 1989:
Thomas Haffa gründet die EM Entertainment München, Merchandising, Film und Fernseh GmbH. Das Unternehmen vermarktet die Merchandising-Rechte von «Alfred J. Kwak» und erwirbt die TV-Rechte für die «Teenage Mutant Hero Turtles». In den Folgejahren wird der Rechte-Stock kontinuierlich ausgebaut.
1997
geht das Unternehmen an den Neuen Markt. Der Ausgabepreis der Aktien beträgt umgerechnet etwa 0,35 Euro. In der Spitze kostet die Aktie 120 Euro.
Dezember 1998:
EM.TV und die KirchGruppe gründen das Gemeinschaftsunternehmen Junior TV. Im Rahmen des Geschäfts gibt EM.TV der KirchGruppe eine Finanzspritze von gut 255 Millionen Euro.
Im Jahr 2000
beginnt der Niedergang. EM.TV übernimmt zu überhöhten Preisen den «Muppetshow»-Produzenten Jim Henson (rund 660 Mio Euro) und 50 Prozent an der Formel 1 (1,7 Mrd Euro).
August 2000: EM.TV veröffentlicht in einer Ad-Hoc-Meldung Zahlen für das erste Halbjahr 2000. Die Meldung wird später Gegenstand des Strafprozesses vor dem Münchner Landgericht.
Oktober 2000:
Die Halbjahreszahlen müssen nach unten korrigiert werden. EM.TV spricht von einer «reinen Phasenverschiebung ohne Auswirkungen auf Umsatz- und Gewinnziele».
Dezember 2000:
EM.TV korrigiert die Gewinnprognose vor Steuern und Zinsen für 2000 nun doch von gut 300 auf nur noch gut 25 Millionen Euro nach unten. Auch diese Vorhersage wird nicht zu halten sein. EM.TV-Konzernvize Florian Haffa erklärt seinen Rücktritt.
13. Dezember 2000:
Die Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen gegen die Haffa-Brüder auf. – März 2001: Mehr als 400 EM.TV-Aktionäre fordern Schadenersatz in Höhe von etwa 10 Millionen Euro von EM.TV.
1. April 2001:
EM.TV gibt für das Jahr 2000 einen Verlust in Höhe von etwa 1,4 Milliarden Euro bekannt.
25. Juli 2001:
Thomas Haffa tritt zurück. Nachfolger wird «Spiegel»- Manager Werner E. Klatten. Er will den Konzern durch eine Konzentration auf das Kerngeschäft sanieren.
April 2002: EM.TV legt auch für 2001 tiefrote Zahlen vor. Der Verlust betrug 374 Millionen Euro.
4. November 2002:
Vor dem Münchner Landgericht beginnt der Prozess gegen Thomas und Florian Haffa. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Kursbetrug vor.
18. Februar 2003:
EM.TV verliert die letzten Anteile an der Formel 1. Das 16,7-Prozent-Paket wird zum eher symbolischen Preis von 8,5 Millionen Euro an die Bayerische Landesbank verkauft.
8. März:
Weiterer Rückschlag für das Unternehmen: Der Verkauf der Jim Henson Company ist erst einmal geplatzt.
31. März:
EM.TV hat auch 2002 tiefrote Zahlen geschrieben. Vor allem wegen hoher Abschreibungen summierte sich der Fehlbetrag auf mehr als 310 Millionen Euro.
08. April:
Das Münchner Landgericht verurteilt die Haffa-Brüder wegen unrichtiger Darstellung ihrer Unternehmensverhältnisse zu hohen Geldstrafen. Thomas Haffa muss 1,2 Millionen Euro, Florian Haffa 240.000 Euro Strafe zahlen.
[Archiv: 2001-07-01 Aufstieg und Fall der EM.TV u. Merchandising AG]