Ohne leistungsfähiges Rechenzentrum geht in der Physik gar nichts. Da ich ein solches für meine Datenauswertung nicht hatte, habe ich, eigentlich aus Jux, eine Anzeige in einer Wirtschaftszeitung mit der Bitte um ein geschenktes RZ platziert. Und es meldete sich tatsächlich jemand. Die französische Bank Credit Agricole wollte ihren Standort und damit ihr Rechenzentrum in Frankfurt auflösen. Schnell wurde ein Termin gefunden, um die Sachen abzuholen. Wir fuhren mit einem Miet-LKW und Pferdeanhänger nach Frankfurt in das Bankenviertel. Die Überraschung war groß, als man mir sagte, ich könnte alles mitnehmen. Es gab viele gute und teilweise auch sehr neue Technik mitzunehmen: VAX-Rechner, Raid-Systeme, Bandmaschinen, EXA-Byte Laufwerke, Modems, Telefone, Laserdrucker und vieles mehr. Einzige Bedingung war, das es mit unserem Universitätsdekan einen offiziellen Pressetermin in Erlangen gibt.
Wir luden also alles ein und waren spät Abends wieder am Institut. Dort bauten wir alles wieder auf und noch in der selben Nacht lief das Rechenzentrum wieder. Zu erst waren wir mit der Anlage im „Computerraum“ von Herrn Dr. Trebst, dem IT-Leiter. Die Geräuschkulisse, die massive Abwärme und die Stromversorgung reichte für mein RZ aber nicht mehr aus. Unser Institutsvorstand machte Geld locker, so dass wir in einen anderen Raum („Kontrolraum“) umziehen konnten. Es wurde (1995( ein neuer Stromhausanschluss verlegt, ein Doppelboden eingebaut und ein starkes Netzwerk installiert. Das waren jetzt richtig gute Bedingungen für unsere Datenauswertungen.
Der Leiter der Credit Agricole aus Frankfurt ließ es sich auch nicht nehmen, mit einigen weiteren Führungskräften nach Erlangen zu kommen. Es gab einen offiziellen Übergabeakt und anschliessend lud man uns noch zum Essen nach Tennenlohe ein.
Anmerkung: als ich das Institut nach meiner Promotion und Leiter der IT der Physikalischen Institute, meine erste richtige Stelle im debis Systemhaus antrat, wurde „mein“ Rechenzentrum an eine Universität in Russland weiter verschenkt. Vielleicht lebt das Rechenzentrum ja heute noch.
SPEC-1 VAX. Für das Benchmarking bei DEC eingesetzte VAX 11/780.
Prozessorkern (Die)-Foto eines DEC MicroVAX (78032, DC333R)
Die-Foto der zugehörigen DEC MicroVAX FPU (78132, DC337C)
Die VAX (Virtual Address eXtension) ist eine Rechnerarchitektur der Digital Equipment Corporation.
Inhaltsverzeichnis
1Geschichte
2Merkmale
3Prozessor
4Emulatoren
Geschichte
Die erste VAX mit der Typenbezeichnung 11/780 kam im Oktober 1977 auf den Markt. Im Februar 1978 wurde ein spezielles Betriebssystem für die VAX mit der Bezeichnung VMS (Virtual Memory System) fertiggestellt, dessen Entwicklung gleichzeitig begonnen wurde. VAX-Rechner wurden bis zum Jahr 2000 verkauft. Heute kommt diese Rechnerarchitektur noch im Militärbereich vor, zum Beispiel bei den Kampfflugzeugen F-15 und F/A-18 des Herstellers McDonnell Douglas (heute Boeing) oder im Minuteman Interkontinentalraketensystem.
Hauptarchitekt war William D. Strecker, ein ehemaliger Doktorand von Gordon Bell.
Merkmale
Eines der Hauptziele bei der Spezifikation der VAX-Architektur war es, den 16-Bit-Adressraum des Vorgängers PDP-11 auf 32 Bit zu erweitern, also eine Erweiterung von direkt adressierbaren 64 kB auf – für damalige Verhältnisse zukunftssichere – 4 GB. Ursprünglich sollte die VAX-Architektur lediglich eine modifizierte PDP-11-Architektur mit Hardwareerweiterung zur Unterstützung von virtueller Speicherverwaltung sein, daher die Bezeichnung VAX (Erweiterung auf virtuelle Adressen). Im Laufe der Erstentwicklung wurde jedoch entschieden, eine neue Architektur zu schaffen, die im Vergleich zu PDP-11 inkompatible, aber auch zusätzliche Instruktionen, Datentypen und weitere Adressierungsmodi bietet.
Bei dem Design von VMS wurde auf Quellcode-Kompatibilität zu älteren Betriebssystemen geachtet, um bestehende Programme und Daten mit wenig Aufwand auf das neue System umsetzen zu können. Optional besaßen einige VAXen einen binary compatibility mode, in dem PDP-11-Programme direkt ausgeführt werden konnten. Da VMS als besonders stabiles und ausgereiftes Betriebssystem gilt, hat es vor allem im Finanzbereich und in der Luftraumüberwachung (zivil und militärisch) eine sehr große Verbreitung gefunden und wird immer noch als OpenVMS (auch für andere Hardwareplattformen) weiterentwickelt. Der aktuelle Lizenzinhaber HP (Hewlett Packard Enterprise) hat am 10. Juni 2013 mitgeteilt, dass er OpenVMS noch bis Ende 2020 unterstützen wird. Im Juli 2014 kündigten HP und VMS Software INC (VSI) an, dass VSI die Weiterentwicklung von OpenVMS in Lizenz betreiben wird.
VAX11/751, in der Mitte das Boot-Laufwerk mit Bandkassette (Uni Kassel, Labor für Mensch-Maschine-Systeme, 1984–1995)
19″-Schränke mit VAX11/751 und MEGATEK Grafik (links), Band- und Plattenlaufwerke (rechts), davor Konsoldrucker (Uni Kassel)
Prozessor
32-Bit-Hauptprozessor 78034 (CVAX) aus einer MicroVAX 3100
Die 32-Bit-VAX-Hauptprozessoren beruhten auf einem CISC-Befehlssatz, der aufgrund des gemeinsamen PDP-11-Vorbildes dem Befehlssatz der m68k-Prozessoren der Firma Motorola ähnelt, jedoch zusätzliche Befehle zur Betriebssystemunterstützung, etwa zur Warteschlangenverwaltung, bot. Die Prozessorfamilie wurde von dem ebenfalls von DEC entwickelten Alpha-Prozessor, einem 64-Bit-RISC-Prozessor abgelöst.
VAX-Computer waren nach den PDP-Rechnern die ersten Rechner, auf die das Betriebssystem Unix portiert wurde. Digital Equipment bot ein eigenes UNIX-Derivat namens ULTRIX neben dem firmeneigenen VMS als Betriebssystem an. Mittlerweile wurden auch die Open-Source-Betriebssysteme NetBSD, OpenBSD und Linux auf VAX-Computer portiert.
Ursprünglich wurden die Rechner aus Standardbauteilen, etwa Bit-Slices und TTL-Logikschaltkreisen, aufgebaut. Später entwickelte Digital eigene VAX-Mikroprozessoren, die sogenannten MicroVAX-Prozessoren wie den MicroVAX 78032 oder CVAX, die jedoch nicht auf dem freien Markt verkauft wurden. Sie waren nur zusammen mit Rechnern der MicroVAX-Familie erhältlich.
Die Software SIMH kann ein komplettes MicroVAX-3900-System emulieren.
[Album: 1995-06-01 Andreas eigenes Rechenzentrum in Erlangen]
Andreas wurde am 24.07.1961 in Bremen-Blumenthal geboren. Er studierte in Erlangen-Nürnberg, am Paul-Scherrer Institut (CH), am Rutherford Appleton Laboratory (Oxford, Didcot, UK). Heute arbeitet er als Unternehmensberater bei der macros Consulting Group.
Mobil: +49 170 331 2221