Langenzenn, ca. 28. März 1994
Bis März 1994 schrieb Birgit an den Aufzeichnungen der Familie Blumenthal aus der Zeit von 1917 bis 1947. Sie konnte die niedergeschriebenen Aufzeichnungen von August Blumenthal ihrem Vater Georg am 05. April 1994 zu seinem sechzigsten Geburtstag auf der Insel Usedom überreichen. Die Niederschrift von Birgit, als Word-Datei, habe ich zum Glück wieder gefunden und kann sie Euch somit „digital“ zur Verfügung stellen. Ich habe die Aufzeichnungen um einige weitere Dokumente ergänzt.
Vorwort von Birgit zu den Aufzeichnungen:
Schon bei meinen ersten Besuchen bei Großtante Hanni in Wittenberg war ich von den Geschichten um die Familie Blumenthal fasziniert. Bei meinen Onkeln Eberhard und Gottfried entdeckte ich dann schriftliche Aufzeichnungen meines Urgroßvaters August über die Familie Blumenthal. Sie waren handschriftlich in Sütterlin (sogenannte Deutsche Schrift) verfaßt. Da mein jüngerer Cousin Eberhard kein Sütterlin lesen kann, aber auch gerne die Aufzeichnungen lesen wollte, entschloß ich mich sie in die lateinische Schrift zu übertragen. Rechtzeitig zum 60. Geburtstag meines Vaters Georg bin ich damit fertiggeworden und das erste Exemplar ist natürlich für ihn reserviert.
Zur Einführung möchte ich kurz etwas über Entstehung und Inhalt der Aufzeichnungen sagen: Schon mein Urururgroßvater Gottfried (*1810) hat Notizbücher über das tägliche Leben geführt. Sein Enkel August (*1874) hat sie auf dem Dachboden gefunden und gelesen. Beim Abriß des alten Hauses sind sie leider verloren gegangen. Als Augusts Vater Gottfried bettlägerig wurde, ließ er August alles niederschreiben, was er aus den Überlieferungen seines Vaters und aus anderen Quellen über die Familie wußte. Dies kann man im ersten Kapitel, Aufzeichnungen von Gottfried und August Blumenthal, lesen. Weiter geht es mit den Aufzeichnungen Augusts, der nicht nur das Familienleben und die gärtnerische Arbeit beschreibt, sondern auch das tagespolitische Geschehen (incl. zweier Weltkriege) aus seiner Sicht schildert. Die Aufzeichnungen enden am 22. November 1947, zwei Wochen vor dem Tode meines Urgroßvaters (5. Dezember 1947).
Noch ein paar Bemerkungen zu meiner Abschrift: Den Text habe ich im großen und ganzen dem Original entsprechend übernommen, das betrifft besonders Redewendungen und Deklinationen. Solange die Sätze verständlich waren, habe ich nichts verändert, auch wenn sie manchmal nicht vollständig sind. Nur an ganz wenig Stellen habe ich mal ein Wort eingefügt oder die Sätze zum besseren Verständnis umgestellt. Um die Übersicht nicht zu verlieren, erscheinen die Abschnitte, in denen Geschichtliches beschrieben wird, eingerückt und kursiv. Bezüglich der Rechtschreibung ist anzumerken, daß ich das altdeutsche „th“ nicht übernommen, sondern an den entsprechenden Stellen durch „t“ ersetzt habe. Fehler im Numerus (Singular/Plural) wurden als Flüchtigkeitsfehler betrachtet und verbessert. Beim Lesen des Originals war es nicht immer möglich, die in Sütterlin geschriebenen Namen eindeutig zu entziffern. Daher haben sich eventuell ein paar Fehler eingeschlichen, für deren Richtigstellung ich dankbar bin.
Mein besonderer Dank gilt Eberhard und Gottfried Blumenthal für das Ausleihen der Aufzeichnungen, meinen Eltern, Georg und Karin Blumenthal, fürs Korrekturlesen und Gretchen Blumenthal für die Computernutzung zur Eingabe eines Teils des Textes.
Ich fand die Aufzeichnungen sehr interessant und wünsche allen viel Spaß beim Lesen.
Birgit Glombik
Langenzenn, 1994
Ich habe die „Aufzeichnungen der Familie Blumenthal“, die von Birgit zusammengetragen worden sind, um einige Dokumente bzw. Bilder ergänzt:
- Karte von Wittenberg (1910) [Quelle: Internet “ Karthografie Wittenberg 1910 (Geogr. Anst. v. Wagner & Debes, Leipzig)“]

Die Gärtnerei in „Kleine Bruchstraße 8“ in Wittenberg liegt oberhalb des Quadranten A1.
In den Aufzeichnungen der Familie Blumenthal werden verschiedene Namen im Zusammenhang von Hochzeiten genannt. Aus Adressbüchern der Stadt Wittenberg aus dem Jahre 1936 und 1948/49 konnte ich einige Namen wieder finden und die damaligen Wohnadressen bestimmen.
Adressbuch aus Wittenberg 1936





Adressbuch Wittenberg 1949

Eheschließungen (Blumenthal):
- Luise Eleonore Blumenthal, geb. 31. Oktober 1881, in den heiligen Ehestand getreten am 17. September 1908 mit Friedrich Gottlob Müller, Gemüsegärtner
- Luise Maria geb. 24. Januar 1885 in den heiligen Ehestand getreten am 24. Juli 1913 mit Ernst Grasenack Gemüsegärtner, Eisernes Kreuz ‚III‘
- Anna Luise Blumenthal, geb. 22. Juni 1889, in den heiligen Ehestand getreten mit dem Gemüsegärtner Friedrich Müller am 6. Oktober 1913
- Anna Elisabeth Blumenthal, geb. 29. Dezember 1891, vermählt mit Otto Lehmann Oktober 1920, Sohn des verstorbenen Gemüsegärtners Wilhelm Lehmann, Lindestraße. Zuerst das Schlosserhandwerk erlernt, diente derselbe beim Militär bis zum etatmäßigen Feldwebel. Otto Lehmann machte den Krieg bis zum Ende mit und erwarb sich das Eiserne Kreuz I. Klasse.
Frühe und „normale“ Tode Blumenthal:
- Marie Martha, geb. 15. August 1883, gest. 31. Januar 1885
- Luise Martha, geb. 10. April 1886, gest. 17. Februar 1887
- …
- August Blumenthal starb am 5. Dezember 1947 und seine Frau Eleonore am 8. Juni 1954.
Damalige Wohnorte der Familienmitglieder
- Blumenthal, August, Gärtnerei, Kleine Bruchstraße 8, Wittenberg (Wittenberg-AB-1936)
- Blumenthal, Gottfried, Gärtnerei, Kleine Bruchstraße 8, Wittenberg (Wittenberg-AB-1936)
- Blumenthal, Gottfried, Stadtgeschäft, Mittelstraße 16, Wittenberg (Wittenberg-AB-1936)
- Blumenthal, Martha (geb. Müller), Witwe, Kleine Bruchstraße 8, Wittenberg (Wittenberg-AB-1936)
- Grasenack, Ernst, Gemüsegärtner, Grosse Bruchstraße 23, Wittenberg (Wittenberg-AB-1936)
- Karl Grob –> Kleine Bruchstraße 1? (1948) (Wittenberg-AB-1936)
bzw. Karl Grob, Kunstgärtner, Hauptmann-Berthold-Straße 10? - Müller, Friedrich-Gottlob, Gartenbaubetrieb, Kleine Bruchstraße 13, Wittenberg (Wittenberg-AB-1936)
bzw. Müller, Friedrich, Gartenbaubetrieb, Gustav-Adolf Straße 20?, Wittenberg (Wittenberg-AB-1936) - Lehmann, Otto, Gemüsegärtner, Kleine Bruchstraße 7, Wittenberg (Wittenberg-AB-1936)
- …
- Blumenthal, Charlotte, Gärtnerei, Kleine Bruchstraße 8, Wittenberg (Wittenberg-AB-1948)
- Blumenthal, Eleonore, Gärtnerei, Kleine Bruchstraße 8, Wittenberg (Wittenberg-AB-1948)
- Karl Grob –> Kleine Bruchstraße 1? (1948) (Wittenberg-AB-1948)
- …
- Blumenthal, Gottfried Kleine Bruchstraße 8, 06886 Wittenberg (ca. 1995, Adressbuch von Birgit Glombik)
Hinweise zu damaligen und heutigen Straßennamen:
- damals: Clausstraße bzw. Klausstraße – heute: Puschkinstraße
- damals: Lindenstraße – heute: Breitscheidstraße („Sichler’s Garten“; heute Breitscheidstraße 17(a))
Einige Fotos von der damaligen Gärtner aus dem Fotoalbum von Karin und Georg Blumenthal von 1955 (Blumenthal-GK-AlbNr.02-1955). Ob die Bilder 1955 entstanden sind weiß ich leider nicht.




[Album: 05 Aufzeichnungen der Familie Blumenthal 1917 bis 1949]
[Archiv: 1994-03-22 Aufzeichnungen der Familie Blumenthal 1917 bis 1947]